WILLKOMMENSKULTUR

Integrationspreis für Projekt Moses e. V. und Zerai Abraham

Ihre Ansprechpartnerin: Federica Cuticchio Federica Cuticchio

Für sein Engagement wird Moses e. V. am 26. November im Kaisersaal mit dem Integrationspreis 2015 der Stadt Frankfurt am Main geehrt. Wir hatten bereits über die gemeinsame Zusammenarbeit mit Zerai Abraham berichtet – und weil wir so begeistert von seinen Projekten sind, haben wir ihn auch prompt bei der Stadt Frankfurt für den Integrationspreis vorgeschlagen. Aber wofür genau eigentlich?

Bereits im Jahre 2006, bevor das Thema Flüchtlinge in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, gründete Zerai Kiros Abraham den „Projekt Moses Jugend- und Sozialwerk e. V.“. Er selbst war 1990 von Eritrea nach Deutschland geflohen – und setzte sich deshalb gemeinsam mit anderen ehemals Geflüchteten ein Ziel: Projekt Moses sollte die im Großraum Frankfurt lebenden Migranten eritreischer Herkunft bei der Integration  unterstützen und zielgerichtete Förderung zur Selbsthilfe bei der gesellschaftlichen und beruflichen Integration  leisten. Zu Beginn sprach das Projekt insbesondere Jugendliche mit eritreischer Herkunft an, doch mittlerweile ist es eine Anlaufstelle für Flüchtlinge aus ganz Afrika. So begleitet Moses hilfesuchende Migrantinnen und Migranten auch bei Behördengängen und berät bei Beziehungs- und Familienproblemen sowie bei Alltagsfragen.

Die Presse wurde durch die HiddenCash-Aktion im Dezember 2014 zum ersten Mal auf Zerai aufmerksam. Damals hat er immer wieder 50-Euro-Scheine in Frankfurt versteckt und unter dem Pseudonym "HannsM" via Twitter Hinweise gestreut. Er behauptete, er sei kinderlos, habe geerbt und wolle sein Glück mit anderen teilen. Dank der regen Teilnahme an der Schatzsuche und der hohen Resonanz berichteten auch zahlreiche internationale Medien über HannsM. Wer wirklich hinter dem Pseudonym steckt, war lange Zeit unbekannt. Jedoch es war Abraham, der mit dieser Aktion auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen wollte: Er versteckte das Geld immer so, dass die Schatzsucher Hindernisse wie zum Beispiel Wasser oder Zäune überqueren mussten, um an das Geld zu gelangen – so, wie es tausende Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Deutschland tun. „Wenn die Menschen im reichen Deutschland schon für fünfzig Euro stundenlang durch die Kälte laufen, dann müssen sie doch verstehen, dass wir uns auf den Weg nach Europa machen, wenn unser Leben und unsere Freiheit bedroht sind“, erklärte Abraham der FAZ.  

Seine digitale Verkleidung als HannsM und das monatelange Rätseln, wer wohl die Geldscheine in Frankfurt versteckt, hätten ebenso die Aktion einer Werbeagentur sein können, so logisch war die Schatzsuche im Nachhinein betrachtet. Der Name „HannsM“ steht symbolisch für Hans Conrad Schumann, den Volkspolizisten der DDR, der am Tag des Mauerbaus den Stacheldraht in Berlin übersprang. Für Abraham ist er ein Held, so wie all die heutigen Flüchtlinge, weswegen seine Twitter-Aktion nicht allein ein Lehrstück gewesen ist, sondern auch eine große Wir-Botschaft in sich trägt: „Deutschland hat wieder Helden“, so Abraham.

Doch die HiddenCash-Aktion war noch längst nicht alles: Derzeit plant Abraham ein Haus der Begegnung für Flüchtlinge nahe der Konstablerwache – das sogenannte „Ubuntu-Haus“. Um das Startkapital zu beschaffen, möchte er eine Crowdfunding-Aktion ins Leben rufen. Später soll sich das Ubuntu-Haus finanziell selbst tragen. Wie? Über ein Café und eine Gastronomie, die von Flüchtlingen selbst betrieben wird. Das Ubuntu-Haus bietet Flüchtlingen und alteingesessenen Frankfurtern die Gelegenheit, sich in lockerer Atmosphäre auf Augenhöhe auszutauschen. Mehr noch: Auch die aktive Auseinandersetzung mit der Kultur und der Tradition der Herkunftsländer der Flüchtlinge steht im Mittelpunkt. So soll es beispielsweise eine Ausstellung über den Rennsport in Eritrea geben, denn das ist dort ein Nationalsport. Dadurch soll etwas geschaffen werden, womit Flüchtlinge sich identifizieren und worauf sie stolz sein können. 

Apropos Rennsport: Abraham hat auch ein Rennradteam aus eritreischen Flüchtlingen zusammengestellt. Die „Refugees on the Move“ fuhren letzten Monat von Frankfurt nach Berlin und besuchten unterwegs diverse Flüchtlingseinrichtungen. Weitere Projekte sind bereits in Planung, unter anderem in Kooperation mit Mandelkern: „Ubuntu-Online“ – eine Web-Plattform von Flüchtlingen für Flüchtlinge. Über das mehrsprachige Online-Portal für Wohnraum, Ausbildung, Arbeit und ehrenamtliches Engagement haben wir bereits im Blog berichtet.

In Anerkennung für innovativen Projekte genau dieser Art und der Würdigung des Engagements von Personen, die sich im alltäglichen Leben für die Integration und Gleichberechtigung aller Frankfurter sowie für eine gegenseitige Anerkennung der Kulturen einsetzen, verleiht die Stadt Frankfurt dieses Jahr zum 14. Mal den Integrationspreis. Mandelkern freut sich mit Moses e. V. und Zerai Abraham! 

Internationalität Mandelkern

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