In eigener Sache

Über die Laufbahn einer Frau in Führung

Ihre Ansprechpartnerin: Michaela Sadewasser Michaela Sadewasser

Das verflixte siebte Jahr haben Karl-Heinz Schulz und Michaela Sadewasser noch abgewartet, bis sie sich getraut haben: den Geschäftsführervertrag zu unterschreiben nämlich, um damit die Unternehmensnachfolge zu regeln. So feiern wir gleich zwei schöne Anlässe: Michaelas 7-Jähriges bei Mandelkern, davon die letzten beiden Jahre als Mitglied der Geschäftsleitung, und nun die Bestellung zur Geschäftsführerin. Jetzt steht dem Generationenwechsel ja nichts im Wege. Herr Schulz meinte, sie solle zu diesem Anlass doch mal etwas zur Laufbahn schreiben. Hat sie getan.

Laufbahnen gibt es viele: Die auf meinem Sportplatz zu Schulzeiten etwa. Auf der war ich in Sprints klasse, im Ausdauerlaufen aber miserabel. Das liegt daran, dass meine Muskelfasern zu der Gruppe der Fast Twitcher gehören, also auf schnelle Reaktionen mit kurzfristig hoher Kraft ausgelegt sind. Meine Freundin Katja war ein Slow Twitcher. Sie konnte ewig entspannt ihre Runden drehen, mit zacki zacki war sie aber überfordert. Mir fiel auf, dass das auch für andere Fächer galt. Ich war immer schnell im Denken, im Reden auch. Manchmal zu schnell. Wie auf dem Sportplatz ist es manchmal besser, die Gedanken noch eine Runde entspannt drehen zu lassen bevor man sie ausspuckt. Katja hat immer etwas länger für vieles gebraucht. Ist ihr Motor aber irgendwann mal angelaufen, tuckerte er beständig und zuverlässig ohne vor dem Ziel schlapp zu machen.

Ist es für Laufbahnen aller Art nun besser ein F- oder ein S-Twitcher zu sein? Das hängt davon ab. Meine Schulzeit verbrachte ich auf einer 13-reihigen Rundlaufbahn, die mir viel Kondition abverlangte. Besonders in den Morgenstunden. Hier und da waren Hindernisse aufgebaut; hauptsächlich am Ende, in Mathe ganzzeitig. Ich staunte über die S-Twitch-Qualitäten mancher Mitschüler, die immer noch Energie für eine Extrarunde hatten!

Fürs Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Friedens- und Konfliktforschung zog ich von Bernau nach Marburg. Auf dieser Laufbahn wechselten sich die Kurzstrecken immer angenehm ab: Laufen im Semester, Gehen in den Semesterferien. Akademische Hochsprunganlagen sorgten für Abwechslung und gaben dem Ganzen ein erstes Wettkampfflair. Weil wir so viele Studenten waren, wurden Hausarbeiten und Referate gern im Staffellauf erarbeitet. Am engagiertesten zeigte ich mich auf der Diskurs-Wurfanlage. Für mein Diplom wurde die Latte noch einmal höher gelegt, was mir sehr gefiel, weil ich als F-Twitcher mega reinpowern kann, sofern sich das Ziel in Sichtweite befindet. Katja hat sich als S-Twitcher immer ausreichend Vorlauf gegönnt und sich gut vorbereitet. Ich hingegen absolvierte mein Studium eher im Schlussspurt.

Runter von der Trainingsanlage, rauf auf die Tartanbahn für anspruchsvollen Hochleistungssport, hieß es nach meiner Rückkehr in die Heimat. Als Trainee für Lobbying musste ich lernen, dass mir das Studium der Politikwissenschaft überhaupt nichts über Politik beigebracht hatte! Diese Bahn war nicht nur unübersichtlicher, sie überraschte den Sprinter auch mit unvorhergesehen Wassergräben und Speerwurfanlagen. Katja hätte sich das Spielfeld wahrscheinlich erst einmal eine Weile angeschaut bevor sie – langsam – losgelaufen wäre. Für Geduld hatte ich keine Zeit! Neben der Laufbahn auf der Friedrichstraße befand sich die Deutsche Presseakademie, an der ich mich abends noch zur Kommunikationsberaterin ausbilden ließ. Hier hatte ich nicht das Gefühl, als Alleinkämpfer meine Runden auf Kunstrasen bestreiten zu müssen, weshalb ich die Lobbying-Laufbahn auch recht schnell wieder verließ und meine berufliche Heimat in der Kreativbranche gefunden habe.

Der Vollständigkeit halber sollte ich noch erwähnen, dass ich zwischenzeitlich meine Rekonvaleszenz als Personalfachkraft und später Jobvermittlerin bei der Arbeitsagentur verbracht habe. So eine Laufbahn hatte ich ja überhaupt noch nicht gesehen! Steigerungen gab es da eigentlich kaum und Übertreten war verboten. Was nicht heißt, dass die Strecke nicht trotzdem anspruchsvoll sein konnte. Ich versuchte es sportlich zu nehmen und mich an die vielen Regeln zu halten, was mir aber nicht so recht gelingen wollte. Und wenn ich nicht Bestleistungen einfahren kann, verliere ich schnell meine Freude an der Tätigkeit. Überhaupt: Sind Regeln nicht dazu da, um sie zu brechen?

Seit sieben Jahren nun laufe ich für Mandelkern. Hätte anfangs nicht gedacht, dass ich so viel Ausdauer besitze. Aber das Training zahlt sich aus. Die Strecke ist anspruchsvoll mit vielen Sprints, einer Hammerwurfanlage namens Ausschreibungsdatenbank sowie wenig Sicherheitszonen. Mein Trainer hat mich in den letzten Jahren viel angepfiffen – ich pfiff zurück. Er lässt es über sich ergehen, weil er weiß, dass ich das brauche, um meine Leistung abrufen zu können. Seit zwei Jahren laufe ich ganz vorne mit, weil ich die Strecke mittlerweile gut kenne und auch meine Kräfte besser einteilen kann.

In unserer Mannschaft gibt es sowohl F- als auch S-Twitcher, weil es die Mischung aus den verschiedenen Qualitäten ist, die uns erfolgreich macht. Dass alles zusammenpasst, dass alle dasselbe Ziel vor Augen haben und gemeinsam die Ziellinie passieren, ist eine besonders reizvolle Aufgabe für mich, weil es auf dieser Laufbahn nicht mehr nur um die eigene Bestzeit geht. Oder wie Hamlet schon sagte: Es gibt nichts Besseres als Intervalltraining!

Mandelkern

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Michaela Sadewasser Michaela Sadewasser

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